Frankreich ist das wohnmobilfreundlichste Land Europas -- und das ist keine Uebertreibung. Mit ueber 5.000 Aires de Service (Wohnmobil-Stellplaetzen), einer Landschaft von unglaublicher Vielfalt und einer Kueche, die ihresgleichen sucht, ist unser Nachbarland das ideale Reiseziel fuer Wohnmobilisten. Von den Lavendelfeldern der Provence ueber die wilden Kuesten der Bretagne bis zu den Weinbergen des Burgunds -- Frankreich laesst keine Wuensche offen. In diesem Guide zeigen wir dir die besten Routen und geben dir alle Informationen fuer deine perfekte Frankreich-Tour.
Warum Frankreich mit dem Wohnmobil?
Kein anderes Land in Europa hat sich so konsequent auf Wohnmobilisten eingestellt wie Frankreich. Das System der Aires de Service ist einzigartig: Tausende speziell eingerichtete Stellplaetze, oft mitten in malerischen Doerfern, mit Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten, viele davon kostenlos. Dazu kommen Initiativen wie France Passion, bei der du kostenlos bei Winzern und Bauern stehen kannst.
Die Vielfalt Frankreichs ist beeindruckend: Mediterranes Klima im Sueden, raue Atlantikkuesten im Westen, Alpenpaesse im Osten und sanfte Huegellandschaften mit Schloessern im Zentrum. Die franzoesische Kueche, von der einfachen Baguette-Tradition bis zur Haute Cuisine, laesst sich auf Wochenmaerkten und in lokalen Restaurants in jeder Region neu entdecken. Und das Beste: Frankreich ist unser direkter Nachbar -- die Anreise ist kurz und unkompliziert.
Das System der Aires de Service
Frankreichs größter Trumpf fuer Wohnmobilisten ist das ausgebaute Netz der Aires de Service. Es gibt verschiedene Typen:
Aires Communales (kommunale Stellplaetze): Von Gemeinden betriebene Plaetze mit Stellflaeche, Ver- und Entsorgung, oft Strom. Viele sind kostenlos, andere kosten 5-15 Euro pro Nacht. Ideal fuer die Ortserkundung, da sie oft zentral gelegen sind.
Camping Car Park: Ein Netzwerk geschlossener Stellplaetze mit Schranke (Zugang per App/Karte). Kontrollierte Zufahrt bietet mehr Sicherheit. Preise: 8-18 Euro pro Nacht inklusive Strom und WLAN. ueber 400 Plaetze in ganz Frankreich.
France Passion: Ein einzigartiges Konzept: Gegen eine Jahresgebuehr (ca. 30 Euro) erhaeltst du einen Fuehrer mit ueber 2.000 Adressen von Winzern, Bauern und Handwerkern, bei denen du kostenlos eine Nacht stehen darfst. Im Gegenzug kaufst du ein paar Produkte. Perfekt fuer authentische Erlebnisse.
Aire de Repos und Aire de Service auf Autobahnen: Rastplaetze an den Autoroutes. Keine spezielle Wohnmobil-Infrastruktur, aber Uebernachten ist erlaubt. Gut fuer Zwischenstopps auf langen Strecken.
Die schoensten Routen
Route 1: Provence und Cote d'Azur (ca. 600 km)
Die Provence ist der Inbegriff suedfranzoeischer Lebensart: Lavendelfelder, Olivenhaine, roemische Ruinen und das strahlende Licht, das schon van Gogh und Cezanne faszinierte.
Route: Avignon -- Luberon -- Gorges du Verdon -- Lavendelfelder Valensole -- Aix-en-Provence -- Cassis -- Marseille -- Camargue
Highlights:
- Avignon: Papstpalast (UNESCO), Bruecke von Avignon, lebhafte Altstadt. Gute Aire de Service am Flussufer
- Luberon: Malerische Doerfer wie Gordes, Roussillon (Ockerfelsen) und Bonnieux
- Gorges du Verdon: Der "Grand Canyon Europas" -- tuerkisblaues Wasser, 700 Meter tiefe Schlucht
- Plateau de Valensole: Die beruehmten Lavendelfelder (Bluetezeit Mitte Juni bis Mitte Juli)
- Aix-en-Provence: Elegante Universitaetsstadt mit dem Cours Mirabeau und Cezanne-Atelier
- Calanques bei Cassis: Spektakulaere Felsbuchten am Mittelmeer -- Wanderungen und Bootstouren
- Camargue: Wildpferde, Flamingos und endlose Salzwiesen
Empfohlene Reisedauer: 12-16 Tage
Beste Reisezeit: Mai bis Juni (Lavendelbluete), September bis Oktober (Weinlese, mildere Temperaturen)
Route 2: Bretagne und Normandie (ca. 800 km)
Die Bretagne und Normandie bieten eine dramatische Kuestenlandschaft, keltische Kultur und einige der beeindruckendsten Sehenswerdigkeiten Frankreichs. Diese Region ist besonders wohnmobilfreundlich mit einer unglaublichen Dichte an Aires.
Route: Mont-Saint-Michel -- Saint-Malo -- Cote de Granit Rose -- Brest -- Pointe du Raz -- Quimper -- Carnac -- Vannes -- D-Day-Straende -- Etretat
Highlights:
- Mont-Saint-Michel: Die ikonische Klosterinsel (UNESCO) -- Stellplatz am Festland, Shuttle zur Insel
- Saint-Malo: Die Korsarenstadt mit imposanter Stadtmauer und Gezeitenstraenden
- Cote de Granit Rose: Rosafarbene Felsformationen an der bretonischen Nordkueste
- Pointe du Raz: Westlichster Punkt Frankreichs, dramatische Klippen
- Carnac: Raetselhafte Megalith-Reihen -- ueber 3.000 Menhire aus der Jungsteinzeit
- D-Day-Straende (Normandie): Omaha Beach, Utah Beach, Pointe du Hoc -- bewegende Geschichte
- Etretat: Beruehmte Kreidefelsen an der Alabasterkueste
Empfohlene Reisedauer: 14-18 Tage
Beste Reisezeit: Juni bis September, die Bretagne kann auch im Mai und Oktober reizvoll sein
Route 3: Elsass und Burgund (ca. 500 km)
Diese Route ist ideal fuer Geniesser: Elsaessische Fachwerkorte, die Weinstrasse und die praechtigen Chateaux von Burgund verbinden deutsche und franzoesische Kultur aufs Schoenste.
Route: Strassburg -- Colmar -- Riquewihr -- Route des Vins -- Mulhouse -- Beaune -- Dijon -- Vezelay -- Chablis
Highlights:
- Strassburg: Europaeische Hauptstadt, Muenster und Petite France (UNESCO). Guter Stellplatz am Rhein
- Colmar: "Klein-Venedig" mit bunten Fachwerkhaeusern, Unterlinden-Museum
- Route des Vins d'Alsace: 170 Kilometer Weinstrasse durch pittoreske Doerfer
- Beaune: Wein-Hauptstadt Burgunds mit dem historischen Hotel-Dieu
- Dijon: Senf, Burgunder und der Herzogspalast
- Vezelay: Basilika auf dem Huegel (UNESCO), Startpunkt des Jakobswegs
- Chablis: Weltberuehmte Weissweine und gemuetliche Winzerdoerfer
Empfohlene Reisedauer: 10-14 Tage
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober, Weinlese im September/Oktober besonders stimmungsvoll
Route 4: Atlantikkueste und Dordogne (ca. 700 km)
Die franzoesische Atlantikkueste bietet endlose Sandstraende, Surfer-Paradiese und Austern-Hochburgen. Im Landesinneren wartet die Dordogne mit mittelalterlichen Doerfern und praehistorischen Hoehlen.
Route: La Rochelle -- Ile de Re -- Royan -- Bordeaux -- Arcachon -- Hossegor -- Biarritz -- Sarlat-la-Caneda -- Rocamadour
Highlights:
- La Rochelle: Eleganter Atlantik-Hafen, Aquarium, Hafentuerme
- Ile de Re: Idyllische Insel mit Salzgaertnern und weissen Haeusern (Brueckenmaut beachten)
- Bordeaux: UNESCO-Altstadt, Cite du Vin (Weinmuseum), Spiegelplatz
- Dune du Pilat: Europas höchste Wanderduene (110 Meter) bei Arcachon
- Hossegor: Surf-Mekka Europas, besonders im Herbst fuer Wellenreiter
- Biarritz: Eleganter Badeort im Baskenland mit exzellenter Kueche
- Sarlat-la-Caneda: Besterhaltene mittelalterliche Stadt der Dordogne, Trueffel und Foie Gras
- Rocamadour: Spektakulaer an einer Felswand gebauter Wallfahrtsort
Empfohlene Reisedauer: 14-18 Tage
Beste Reisezeit: Juni bis September, September/Oktober fuer die Dordogne und Weinregionen
Campingplaetze und Stellplaetze
Frankreich bietet die beste Wohnmobil-Infrastruktur Europas:
Aires de Service: ueber 5.000 Plaetze in ganz Frankreich. Viele kostenlos, andere fuer 5-15 Euro pro Nacht. Die beste übersicht bieten park4night und die Camping Car Park-App.
Campingplaetze (Campings): ueber 8.000 Campingplaetze von 1 bis 5 Sternen. Die Ketten Flower, Yelloh Village und Siblu bieten gehobeneren Komfort. Preise: 20-50 Euro pro Nacht, in der Hochsaison an der Kueste auch mehr.
Camping Municipal: Kommunale Campingplaetze, einfach aber günstig (10-20 Euro). In fast jedem groesseren Dorf vorhanden. Oft die beste Wahl fuer authentische Erlebnisse.
France Passion: 2.000+ kostenlose Stellplaetze bei Winzern, Bauern und Handwerkern. Jahresgebuehr ca. 30 Euro. Das authentischste Frankreich-Erlebnis.
Vor- und Nachteile
Vorteile
- Bestes Wohnmobil-Stellplatz-Netz Europas mit ueber 5.000 Aires
- Unglaubliche kulinarische Vielfalt in jeder Region
- France Passion ermöglicht kostenloses Stehen bei Winzern
- Abwechslungsreiche Landschaften: Kueste, Berge, Weinberge
- Kurze Anreise aus Deutschland
- Sehr gute Strassenqualität
- Viele kostenlose Aires de Service
- Hervorragende Wochenmaerkte in fast jeder Stadt
Nachteile
- Hohe Autobahnmaut, besonders fuer hoehere Wohnmobile
- Crit'Air-Vignette fuer Umweltzonen erforderlich
- Hauptsaison an der Kueste (Juli/August) extrem voll
- Auf beliebten Aires kann es eng werden
- Sprachbarriere ausserhalb touristischer Gebiete
- Diesel teurer als in Deutschland
- Manche Aires haben nur basale Ausstattung
Kosten und Maut
Mautkosten (Peage):
- Saarbruecken -- Paris: ca. 30 Euro (Klasse 1) / 45 Euro (Klasse 2)
- Paris -- Lyon: ca. 35 Euro / 50 Euro
- Paris -- Marseille: ca. 55 Euro / 80 Euro
- Paris -- Bordeaux: ca. 50 Euro / 70 Euro
- Klasse 1: Fahrzeuge bis 2m Hoehe an der Vorderachse (inkl. Anbauten)
- Klasse 2: Fahrzeuge ueber 2m Hoehe an der Vorderachse und bis 3,5t
- Tipp: Die Routes Nationales (Nationalstrassen) sind mautfrei und fuehren oft durch schoene Landschaften
Tagesbudget (zwei Personen):
- Sparsam: 45-65 Euro (kostenlose Aires, Markt-Einkauf, mautfreie Strassen)
- Komfortabel: 80-120 Euro (Camping Car Park, Restaurants, teilweise Autobahn)
- Genuss: 130-180 Euro (guter Campingplatz, Restaurants, Weinproben, Maut)
Typische Preise:
- Baguette: 1,10-1,50 Euro
- Cafe creme: 2,50-4,00 Euro
- Menu du jour (Tagesmenue): 13-20 Euro pro Person
- Diesel: ca. 1,55-1,75 Euro pro Liter
- Flasche Wein (Supermarkt): ab 3-5 Euro fuer gute Qualität
- Wochenmarkt-Einkauf: 15-25 Euro fuer reichlich Frisches
Regeln und Vorschriften
Geschwindigkeitsbegrenzungen:
- Innerorts: 50 km/h (30 km/h in vielen Zentren)
- Ausserorts: 80 km/h
- Schnellstrasse: 110 km/h
- Autobahn: 130 km/h (bei Regen 110 km/h)
- Wohnmobile ueber 3,5t: 110 km/h auf Autobahnen, 100 km/h auf Schnellstrassen
Crit'Air-Vignette: Fuer Umweltzonen (ZFE) in ueber 20 franzoesischen Staedten noetig. Online bestellen unter certificat-air.gouv.fr (3,70 Euro + Versand). Lieferzeit ca. 2-3 Wochen. Ausdrucke oder digitale Versionen werden akzeptiert, bis die Vignette ankommt.
Alkoholtest: In Frankreich besteht die Pflicht, einen Alkoholtest (Ethylotest) im Fahrzeug mitzufuehren. Das Bussgeld fuer das Fehlen wird zwar selten verheingt, aber es ist dennoch vorgeschrieben.
Warnweste: Eine Warnweste pro Insasse muss im Fahrzeug griffbereit sein (nicht im Kofferraum).
Parken: In vielen Kuenstenstaedte gilt in der Saison ein Parkverbot fuer Wohnmobile in Wohngebieten. Achte auf Schilder "Interdit aux camping-cars".
Beste Reisezeit
- Fruehling (April-Mai): Ideal fuer die Provence (bevor die Hitze kommt), die Loire-Schloesser und Paris. Lavendelfelder beginnen Ende Mai zu bluehen.
- Fruehsommer (Juni): Perfekt fuer fast alle Regionen. Lavendelbluete in der Provence. Bretagne und Normandie angenehm warm.
- Hochsommer (Juli-August): Kuenste ueberfuellt, aber ideal fuer Bretagne und Bergregionen. Suedfrankreich sehr heiss. Die Franzosen selbst machen im August Urlaub -- volle Campingplaetze.
- Herbst (September-Oktober): Unsere Top-Empfehlung fuer Suedfrankreich, Weinregionen und Dordogne. Weinlese, Trueffelsaison, angenehme Temperaturen.
- Winter (November-Maerz): Suedfrankreich (Cote d'Azur, Provence) auch im Winter mild. Nizza hat im Winter 12-15 Grad. Wenige Campingplaetze offen, aber Freistehen wird toleriert.
Praktische Tipps
1. France Passion nutzen: Fuer 30 Euro Jahresgebuehr erhaeltst du Zugang zu 2.000+ kostenlosen Stellplaetzen bei Winzern und Bauern. Nirgendwo erlebst du Frankreich authentischer.
2. Wochenmaerkte besuchen: Jede Stadt hat mindestens einmal pro Woche Markttag (Marche). Frische Croissan ts, Kaese, Obst und lokale Spezialitaeten gibt es dort zu fairen Preisen. Frage in der Touristeninformation nach dem Markttag.
3. Mautfreie Routen planen: Die Routes Nationales und Departementales sind mautfrei und fuehren oft durch wunderschoene Landschaften. Ja, es dauert laenger -- aber die Reise ist das Ziel.
4. Mittagszeit fuer Menu du Jour nutzen: Viele Restaurants bieten mittags ein Tagesmenue (Menu du Jour oder Formule) fuer 13-18 Euro an -- Vorspeise, Hauptgang und Dessert inklusive. Ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhaeltnis.
5. Crit'Air-Vignette rechtzeitig bestellen: Bestelle die Umweltplakette mindestens 3 Wochen vor der Abreise. Sie ist fuer Umweltzonen in Grossstaedten Pflicht.
6. Gas-Adapter mitbringen: In Frankreich gibt es andere Gasflaschen als in Deutschland. Ein franzoesischer Adapter (Typ clip-on) ermöglicht das Nachfuellen an franzoesischen Gastankstellen (GPL).
7. Brot-Tradition geniessen: Die Boulangerie gehört zum franzoesischen Alltag. Kaufe morgens frische Baguettes und Croissants -- auf dem Campingplatz oder im naechsten Dorf. Ein Stueck Frankreich-Glueck fuer wenig Geld.