Wenn die Wohnmobil-Saison zu Ende geht, stellt sich für viele Besitzer die Frage: Wohin mit dem Wohnmobil im Winter? Ein guter Winterstellplatz schützt dein Fahrzeug vor Witterungseinflüssen und beugt kostspieligen Schäden vor. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du den passenden Winterstellplatz findest, was er kostet und wie du dein Wohnmobil richtig einlagerst.
Warum ein Winterstellplatz wichtig ist
Viele Wohnmobilbesitzer unterschätzen die Gefahren, die ein Winter im Freien für ihr Fahrzeug bedeuten kann. Die häufigsten Winterschäden an Wohnmobilen sind:
- Frostschäden: Wasser in Leitungen, Boiler und Tanks kann gefrieren und Rohre zum Platzen bringen. Reparaturkosten: 500 bis 3.000 Euro.
- Feuchtigkeitsschäden: Kondenswasser und eindringende Nässe führen zu Schimmelbildung im Innenraum. Sanierung: 1.000 bis 10.000 Euro.
- UV-Schäden: Winterliche Tiefstrahlung lässt Dichtungen und Kunststoffteile spröde werden.
- Sturmschäden: Winterstürme können Markisen, Antennen und Aufbauten beschädigen.
- Hagelschäden: Ungeschützt abgestellte Fahrzeuge sind Hagelschäden ausgesetzt.
- Nagetier-Schäden: Mäuse und Marder nisten sich gerne in ungenutzten Fahrzeugen ein und nagen Kabel und Isolierungen an.
Ein guter Winterstellplatz kostet zwar Geld, kann aber teure Reparaturen verhindern. Bei einem Fahrzeugwert von 50.000 Euro und mehr ist das eine sinnvolle Investition.
Arten von Winterstellplätzen
Winterstellplätze gibt es in verschiedenen Ausführungen, die sich in Schutzwirkung und Preis unterscheiden:
Freigelände (unüberdacht)
Der einfachste und günstigste Stellplatz ist ein abgegrenztes Freigelände. Das Fahrzeug steht im Freien, hat aber einen festen Platz auf einem gesicherten Gelände. Dieser Typ bietet Schutz vor Diebstahl, aber keinen Witterungsschutz.
Überdachter Stellplatz (Carport)
Ein Carport oder überdachter Stellplatz schützt das Wohnmobil von oben vor Regen, Schnee und Hagel. Die Seiten sind meist offen, sodass eine gute Belüftung gewährleistet ist. Das ist besonders wichtig, um Kondensation und Schimmelbildung zu vermeiden.
Halle (geschlossen)
Die Halle bietet den besten Schutz: Rundumschutz vor Witterung, stabile Temperatur und Schutz vor Vandalismus. Moderne Hallen haben eine kontrollierte Belüftung, damit keine Feuchtigkeit entsteht. Manche Hallen bieten sogar beheizte Stellplätze an.
Garagen und Scheunen
In ländlichen Gebieten vermieten Bauern manchmal Scheunen oder Garagen als Winterstellplatz. Das kann eine günstige Alternative sein, achte aber auf ausreichende Deckenhöhe (mindestens 3,5 Meter für die meisten Wohnmobile) und Zufahrtsbreite.
Vorteile eines Winterstellplatzes
- Hallenplatz: Bester Schutz vor allen Witterungseinflüssen
- Carport: Guter Schutz von oben bei guter Belüftung
- Sicherheit durch eingezäunte und beleuchtete Gelände
- Manche Anbieter bieten Zusatzservices (Batterieladung, Reifencheck)
- Versicherungsprämie kann mit sicherem Stellplatz sinken
Nachteile und Herausforderungen
- Monatliche Kosten von 50 bis 350 Euro
- Gute Plätze schnell ausgebucht (frühzeitig reservieren)
- Nicht überall verfügbar, besonders in Ballungsgebieten Engpass
- Transport zum und vom Stellplatz nötig
- Eingeschränkter Zugang zum Fahrzeug
Kosten für Winterstellplätze
Die Kosten für einen Winterstellplatz hängen von der Art des Platzes, der Region und dem Anbieter ab. Hier eine aktuelle Übersicht:
| Stellplatz-Art | Monatlich | Saison (Okt-März) |
|---|---|---|
| Freigelände (eingezäunt) | 50-120 Euro | 300-720 Euro |
| Carport/Überdacht | 100-200 Euro | 600-1.200 Euro |
| Halle (unbeheizt) | 150-300 Euro | 900-1.800 Euro |
| Halle (beheizt/klimatisiert) | 200-350 Euro | 1.200-2.100 Euro |
| Scheune/Privatgarage | 40-100 Euro | 240-600 Euro |
Regionale Unterschiede: In Ballungsgebieten (München, Hamburg, Stuttgart) sind die Preise am höchsten. Im ländlichen Raum findest du deutlich günstigere Angebote. In Ostdeutschland sind die Preise generell niedriger als im Westen und Süden.
Zusatzkosten beachten
- Ein- und Auslagern: Manche Anbieter berechnen 30-80 Euro für das Ein-/Auslagern mit Rangierfahrzeug.
- Wintercheck: Professionelles Winterfestmachen: 100-250 Euro.
- Batterie-Service: Batteriepflege während der Standzeit: 30-50 Euro.
- Wäsche: Fahrzeugwäsche vor der Einlagerung: 50-150 Euro.
Winterstellplatz finden: So gehst du vor
Die Suche nach einem guten Winterstellplatz sollte frühzeitig beginnen – am besten im Sommer. Hier die besten Wege:
Online-Suche
- eBay Kleinanzeigen / Kleinanzeigen.de: Die erste Anlaufstelle. Suche nach "Winterstellplatz Wohnmobil" + deine Region.
- Wohnmobil-Foren: In Foren wie Wohnmobilforum.de oder Promobil-Forum werden regelmäßig Stellplätze angeboten.
- Facebook-Gruppen: Lokale Wohnmobil-Gruppen auf Facebook sind oft eine gute Quelle.
- Google Maps: Suche nach "Wohnmobil Winterstellplatz" oder "Fahrzeug-Einlagerung" in deiner Region.
Lokale Suche
- Wohnmobil-Händler: Viele Händler bieten Winterstellplätze für ihre Kunden an.
- Landwirte: Frag bei Bauernhöfen in deiner Nähe nach – viele haben leere Scheunen oder Freiflächen.
- Speditionsunternehmen: Speditionen haben oft ungenutztes Gelände im Winter.
- Campingplätze: Manche Campingplätze bieten Winterstellplätze an, auch wenn der Platz selbst geschlossen ist.
- Autohäuser: Einige Autohäuser vermieten freie Flächen als Stellplatz.
Worauf achten bei der Auswahl?
- Sicherheit: Eingezäunt? Beleuchtet? Videoüberwachung? Alarmsystem?
- Zufahrt: Ist das Gelände auch im Winter gut erreichbar?
- Deckenhöhe (bei Hallen): Mindestens 3,5 Meter, besser 4 Meter mit Dachantennen.
- Zugang: Kannst du jederzeit an dein Fahrzeug, oder gibt es feste Zugangszeiten?
- Strom: Gibt es einen Stromanschluss für Batterieerhaltungsgeräte?
- Belüftung (bei Hallen): Kontrollierte Belüftung verhindert Kondenswasser und Schimmel.
- Versicherung: Ist das Fahrzeug auf dem Gelände versichert? Wer haftet bei Schäden?
Wohnmobil winterfest machen
Bevor du dein Wohnmobil einlagerst, solltest du es gründlich winterfest machen. Das schützt vor Schäden und erleichtert den Start in die neue Saison.
Wasseranlage entleeren
Der wichtigste Schritt: Alle Wasserleitungen komplett entleeren. Gefrorenes Wasser dehnt sich aus und kann Rohre, Pumpen und den Boiler zerstören.
- Frischwassertank vollständig entleeren
- Alle Wasserhähne öffnen (Warm- und Kaltwasser)
- Boiler entleeren (Ablassventil öffnen)
- Wasserpumpe laufen lassen, bis kein Wasser mehr kommt
- Toilettenspülung betätigen, bis leer
- Duschschlauch aushängen und abtropfen lassen
- Optional: Druckluft durch die Leitungen blasen für restlose Entleerung
Innenraum vorbereiten
- Gründlich reinigen: Alle Oberflächen, Polster und Schränke reinigen
- Kühlschrank leeren und offen lassen: Tür einen Spalt offen lassen, damit Luft zirkuliert
- Lebensmittel entfernen: Nichts im Fahrzeug lassen, was Schädlinge anlocken könnte
- Polster hochstellen: Matratzen und Sitzpolster hochkant stellen, damit Luft darunter zirkuliert
- Schranktüren öffnen: Alle Schränke und Stauräume leicht öffnen
- Entfeuchtungsgranulat aufstellen: 2-3 Schalen in verschiedenen Bereichen des Fahrzeugs
Checkliste: Einlagerung vorbereiten
Hier die komplette Checkliste für die Einlagerung deines Wohnmobils:
Außen
- Fahrzeug gründlich waschen (inkl. Unterboden)
- Dichtungen mit Silikonspray pflegen
- Dach auf Risse und undichte Stellen prüfen
- Markise trocknen und einfahren
- Reifendruck erhöhen (ca. 0,5 bar über Normal)
- Fahrzeug auf Auffahrkeile oder Reifenschoner stellen
- Dachluke und Fenster schließen (einen Spalt für Belüftung)
- Gasflaschen zudrehen
Technik
- Aufbaubatterie voll laden oder an Erhaltungsladegerät anschließen
- Starterbatterie ebenfalls laden oder abklemmen
- Solaranlage kann angeschlossen bleiben (bei Außenstellplatz)
- Alarmanlage aktivieren (sofern vorhanden)
- Handbremse lösen und Unterlegkeile verwenden
- Sämtliche Elektrogeräte ausschalten
Versicherung und Formalitäten
- Saisonkennzeichen prüfen (Zulassungszeitraum)
- Kaskoversicherung auch im Winter aktiv halten
- Stellplatzvertrag auf Haftungsfragen prüfen
- Fahrzeugpapiere sicher aufbewahren (nicht im Wohnmobil!)
Regelmäßige Kontrollen im Winter
Auch ein eingelagertes Wohnmobil braucht regelmäßige Aufmerksamkeit. Plane mindestens einmal im Monat einen Kontrollbesuch ein:
- Batteriespannung prüfen: Sollte nicht unter 12,4 Volt fallen (bei Bleibatterien).
- Reifendruck kontrollieren: Reifen verlieren auch im Stand Luft.
- Innenraum auf Feuchtigkeit prüfen: Kondenswasser an Fenstern? Entfeuchtungsgranulat tauschen.
- Auf Nagetier-Spuren achten: Kot, angeknabberte Kabel oder Nistmaterial.
- Dach und Dichtungen kontrollieren: Besonders nach Stürmen.
- Belüftung sicherstellen: Sind die Lüftungsschlitze noch frei?
- Motor starten: Alle 4-6 Wochen kurz laufen lassen (nur bei zugelassenem Fahrzeug).
Alternativen zum Winterstellplatz
Nicht jeder braucht einen extra Winterstellplatz. Hier einige Alternativen:
Eigenes Grundstück
Wenn du genügend Platz auf deinem eigenen Grundstück hast, ist das die günstigste Lösung. Achte darauf, dass du das Wohnmobil trotzdem winterfest machst. Eine Schutzhülle (ab 200 Euro) bietet zusätzlichen Schutz vor Witterung. Beachte lokale Vorschriften: In manchen Gemeinden ist das dauerhafte Abstellen von Wohnmobilen auf Privatgrundstücken eingeschränkt.
Saisonkennzeichen
Mit einem Saisonkennzeichen (z.B. April bis Oktober) sparst du während der Wintermonate Versicherung und Steuer. Das Fahrzeug darf dann allerdings nicht auf öffentlichen Straßen und Parkplätzen stehen – du brauchst in jedem Fall einen privaten Stellplatz.
Wintercamping
Die Alternative zum Einlagern: Einfach weiterfahren! Wintercamping wird immer beliebter. Moderne Wohnmobile sind gut isoliert und mit leistungsstarken Heizungen ausgestattet. Viele Campingplätze in den Alpen haben ganzjährig geöffnet und bieten spezielle Winterstellplätze mit Strom und Wasserversorgung.
Tipp: Wenn du dein Wohnmobil auch im Winter nutzen möchtest, achte beim Kauf auf eine gute Isolierung und eine leistungsstarke Heizung. Mehr dazu in unserer Kaufberatung.