Die Flüssiggasanlage ist eines der wichtigsten Systeme im Wohnmobil. Sie versorgt Heizung, Kühlschrank, Herd und Warmwasserboiler mit Energie. Gleichzeitig birgt Gas potenzielle Gefahren, weshalb regelmäßige Prüfung und korrekte Wartung unverzichtbar sind. In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du über die Gasanlage wissen musst.
So funktioniert die Gasanlage im Wohnmobil
Die Gasanlage im Wohnmobil besteht aus mehreren Komponenten, die zusammen ein geschlossenes System bilden:
- Gasflaschen (5 kg oder 11 kg): Befinden sich im Gaskasten, einem belüfteten Fach im Heck oder unter der Sitzbank. Üblich sind ein bis zwei Flaschen.
- Druckregler: Reduziert den Flaschendruck (bis zu 16 bar) auf den Betriebsdruck von 30 mbar. Moderne Regler wie der Truma DuoControl CS schalten bei leerer Flasche automatisch auf die zweite um.
- Gasrohre und -schläuche: Leiten das Gas zu den einzelnen Verbrauchern. Kupfer- oder Edelstahlrohre für feste Leitungen, spezielle Gasschläuche für flexible Verbindungen.
- Absperrhähne: An jedem Verbraucher sitzt ein eigener Absperrhahn, um einzelne Geräte vom Gasnetz trennen zu können.
- Verbraucher: Heizung (z. B. Truma Combi), Herd, Kühlschrank (im Gasbetrieb), Warmwasserboiler und ggf. eine Gasbackofen.
Wichtig: Der Gaskasten muss nach unten belüftet sein, da Propan/Butan schwerer als Luft ist und nach unten sinkt. Offnungen im Boden des Gaskastens sorgen dafür, dass austretendes Gas nach unten entweichen kann.
Gasprüfung nach G 607: Pflicht alle 2 Jahre
Die Gasprüfung nach dem DVGW-Arbeitsblatt G 607 ist für alle Wohnmobile mit Flüssiggasanlage gesetzlich vorgeschrieben. Sie muss alle zwei Jahre erneuert werden und ist Voraussetzung für die Hauptuntersuchung (HU/TÜV).
Was wird bei der Gasprüfung kontrolliert?
- Zustand und Alter der Gasschläuche (maximale Nutzungsdauer: 10 Jahre)
- Dichtigkeit aller Verbindungen und Leitungen
- Funktion des Druckreglers
- Belüftung des Gaskastens
- Befestigung der Gasflaschen
- Funktion aller Gasgeräte
- Zustand der Abgasführung
- Vorhandensein und Funktion von Sicherheitseinrichtungen
Ablauf der Gasprüfung
Die Gasprüfung dauert in der Regel 30 bis 60 Minuten. So läuft sie ab:
- Sichtprüfung: Der Prüfer kontrolliert zunächst den Gaskasten, die Flaschenhalterung und die Belüftungsöffnungen.
- Leckageprüfung: Mit einem Lecksuchspray oder einem elektronischen Gasspürgerät werden alle Verbindungen, Leitungen und Anschlüsse auf Dichtigkeit geprüft.
- Druckprüfung: Das gesamte Leitungssystem wird unter Druck gesetzt und auf Druckabfall kontrolliert.
- Funktionsprüfung: Alle Gasgeräte werden in Betrieb genommen und auf korrekte Funktion getestet.
- Abgasprüfung: Die Abgasführung von Heizung und Warmwasserboiler wird auf einwandfreie Ableitung kontrolliert.
- Dokumentation: Bei bestandener Prüfung erhältst du die gelbe Prüfbescheinigung, die im Fahrzeug mitgeführt werden muss.
Kosten der Gasprüfung
Die Kosten für die Gasprüfung variieren je nach Region und Anbieter:
- Reine Gasprüfung: 30-80 Euro
- Gasprüfung mit HU kombiniert: Oft günstiger im Paket (150-200 Euro gesamt)
- Bei festgestellten Mängeln: Reparaturkosten kommen hinzu (Schläuche tauschen: 30-80 Euro, Druckregler tauschen: 50-150 Euro)
Tipp: Viele Campingplatz-Werkstätten und mobile Prüfdienste bieten die Gasprüfung zu günstigen Konditionen an. Vergleiche Preise, bevor du einen Termin machst.
Gasflaschen: Tausch vs. Nachfüllung
Beim Thema Gasversorgung gibt es zwei grundsätzliche Systeme, die beide Vor- und Nachteile haben:
Vorteile beider Systeme
- Tauschflaschen: Überall erhältlich (Baumärkte, Tankstellen, Campingplätze)
- Tauschflaschen: Kein TÜV-Aufwand für den Besitzer
- Tauschflaschen: Einfaches Handling ohne Technik
- Nachfüllbare Flaschen: Günstiger pro Kilogramm Gas
- Nachfüllbare Flaschen: An jeder LPG-Tankstelle befüllbar (besonders im Ausland praktisch)
- Nachfüllbare Flaschen: Immer nur so viel tanken wie nötig
Nachteile beider Systeme
- Tauschflaschen: Höherer Preis pro Kilogramm Gas
- Tauschflaschen: Im Ausland andere Anschlüsse und Flaschenformate
- Tauschflaschen: Ungewisser Füllstand bei Tausch
- Nachfüllbare Flaschen: Höhere Anschaffungskosten (200-400 Euro pro Flasche)
- Nachfüllbare Flaschen: TÜV-Prüfung alle 10 Jahre nötig
- Nachfüllbare Flaschen: Nicht überall Gasadapter verfügbar
Unsere Empfehlung: Für Gelegenheitscamper sind Tauschflaschen die unkompliziertere Lösung. Wer häufig unterwegs ist oder viel im Ausland reist, profitiert von nachfüllbaren Flaschen wie Alugas oder Gastankflaschen.
Sicherheitstipps für die Gasanlage
Gas im Wohnmobil ist bei korrektem Umgang sicher. Beachte diese Regeln:
- Gasmelder einbauen: Ein Gaswarner im Fußbodenbereich erkennt austretendes Propan/Butan frühzeitig. Pflicht ist er nicht, aber dringend empfohlen. Kosten: 50-150 Euro.
- Gasflaschen immer sichern: Flaschen müssen im Gaskasten mit Spanngurten oder Halterungen fixiert sein. Lose Flaschen sind lebensgefährlich.
- Gaskasten-Belüftung freihalten: Die Belüftungsöffnungen im Boden des Gaskastens dürfen niemals verschlossen oder verdeckt werden.
- Schläuche regelmäßig prüfen: Gasschläuche werden spröde und rissig. Prüfe sie visuell bei jedem Gasflaschenwechsel. Spätestens nach 10 Jahren austauschen.
- Nach der Winterpause: Vor der ersten Gasnutzung alle Verbindungen mit Lecksuchspray prüfen. Niemals mit offener Flamme nach Lecks suchen!
- Crash-Sensor für den Fahrbetrieb: Wer während der Fahrt heizen möchte, braucht eine zugelassene Crash-Sensor-Absperrung (z. B. Truma SecuMotion oder DuoControl CS).
Häufige Defekte und Reparaturen
Diese Probleme treten bei Gasanlagen in Wohnmobilen am häufigsten auf:
- Poröse Gasschläuche: Häufigster Mängel bei der Gasprüfung. Austausch kostet 30-80 Euro je Schlauch.
- Undichte Verschraubungen: Durch Vibrationen beim Fahren können sich Verbindungen lockern. Regelmäßig nachziehen lassen.
- Defekter Druckregler: Äußert sich durch schwankende Flammenbilder oder Zündprobleme. Austausch: 80-200 Euro.
- Verstopfte Brennerdüsen: Besonders am Herd nach längerem Nichtgebrauch. Reinigung mit Druckluft oder feiner Nadel.
- Zündelektroden verschlissen: Heizung oder Boiler zünden nicht mehr. Austausch: 20-50 Euro plus Einbau.
- Thermoelemente defekt: Gasgeräte gehen kurz nach dem Zünden wieder aus. Das Thermoelement erkennt die Flamme nicht mehr korrekt.
Grundregel: Reparaturen an der Gasanlage gehören in die Hände eines Fachbetriebs. Eigenreparaturen an gasführenden Teilen sind nicht nur gefährlich, sondern auch versicherungsrechtlich problematisch.