Die Camping-Saison ist vorbei, und dein Wohnmobil muss sicher durch den Winter kommen. Wer sein Fahrzeug richtig auf die Winterpause vorbereitet, vermeidet teure Frostschäden, Schimmel und Standschäden. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung führt dich durch alle notwendigen Arbeiten – in der richtigen Reihenfolge.
Wann sollte ich das Wohnmobil winterfest machen?
Der richtige Zeitpunkt hängt von deinem letzten Trip der Saison ab. Als Faustregel gilt:
- Idealzeitpunkt: Oktober bis Anfang November
- Spätestens: Vor dem ersten Nachtfrost (Wettervorhersage beachten!)
- Zeitbedarf: Plane 3-4 Stunden für alle Arbeiten ein
Wichtig: Wenn du nicht sicher bist, ob es nachts schon frieren könnte, mach das Wassersystem lieber einen Tag zu früh als einen Tag zu spät leer. Ein geplatzter Boiler kostet schnell 500-1.000 Euro.
Schritt 1: Wassersystem entleeren
Das Wassersystem ist das Empfindlichste bei Frost. Gefrierendes Wasser dehnt sich aus und sprengt Leitungen, Pumpen und den Boiler. Jeder Tropfen muss raus.
So gehst du vor:
- Warmwasserboiler ausschalten und abkühlen lassen (mindestens 30 Minuten warten).
- Frischwassertank entleeren: Ablassventil öffnen und vollständig leerlaufen lassen.
- Warmwasserboiler entleeren: Ablassventil am Boiler öffnen. Bei Truma Combi: Drehgriff auf "Ablassen" stellen. Achtung: Wasser kann noch heiß sein.
- Alle Wasserhähne öffnen: Kalt- und Warmwasserhahn in Küche und Bad auf Mittelstellung öffnen.
- Dusche und WC: Duschschlauch hängen lassen, Toilettenspülung betätigen.
- Wasserpumpe kurz einschalten: Pumpe läuft kurz und drückt Restwasser aus den Leitungen. Sofort ausschalten, wenn kein Wasser mehr kommt (max. 10 Sekunden Trockenlauf).
- Druckluft einsetzen (optional, aber empfohlen): Mit einem Kompressor bei max. 0,5 bar Druckluft durch die Leitungen blasen. Am Einfüllstutzen ansetzen, alle Hähne nacheinander öffnen.
- Grauwassertank entleeren: Ablasshahn öffnen und komplett ablaufen lassen.
- Toilettenkassette entleeren: Kassette entnehmen, entleeren, ausspülen und offen trocknen lassen.
- Alle Ventile offen lassen: Über den gesamten Winter alle Ablassventile und Hähne geöffnet halten.
Nie Frostschutzmittel ins Trinkwassersystem geben! Autofrostschutz ist giftig und kontaminiert das gesamte System. Auch spezielle Trinkwasser-Frostschutzmittel sind unnötig, wenn du richtig entleerst.
Schritt 2: Fahrzeug gründlich reinigen
Schmutz, Insektenreste und Baumharz greifen über den Winter Lack und Dichtungen an. Eine gründliche Reinigung vor der Winterpause schützt das Fahrzeug.
Außenreinigung:
- Fahrzeug komplett waschen: Handwäsche empfohlen. Waschanlage nur, wenn das Fahrzeug von der Höhe passt und kein Bürstenwascher (Kratzer!).
- Dach reinigen: Moos, Laub und Schmutz vom Dach entfernen. Vorsicht: Wohnmobil-Dächer sind oft nicht begehbar!
- Unterboden prüfen: Auf Rost- und Steinschlagschäden kontrollieren, ggf. ausbessern.
- Kunststoffteile pflegen: Stoßstangen und Zierleisten aus Kunststoff mit UV-Pflegemittel behandeln.
Innenreinigung:
- Kühlschrank abtauen, reinigen und Tür einen Spalt offen lassen
- Herd und Backofen reinigen
- Alle Polster und Matratzen absaugen
- Oberflächen mit mildem Reiniger abwischen
- Keine Lebensmittel im Fahrzeug lassen (lockt Mäuse an!)
Schritt 3: Gasanlage vorbereiten
- Gasflaschen schließen: Alle Flaschenventile zudrehen.
- Druckregler abschrauben: Optional, aber empfohlen. Schützt den Regler vor Feuchtigkeit und Korrosion.
- Gasflaschen im Fahrzeug lassen: Propan ist frostunempfindlich (bis -42 Grad).
- Heizung einmal kurz laufen lassen: Vor dem Einwintern die Heizung nochmals kurz betreiben, um Kondenswasser im Brenner zu verdampfen.
Schritt 4: Batterie und Elektrik
Eine leere Batterie kann bei Frost irreparabel geschädigt werden. Kalte, entladene Blei-Batterien frieren bereits bei -10 Grad ein.
Aufbaubatterie:
- Voll laden: Batterie vor dem Einwintern komplett aufladen.
- Abklemmen: Batterie vom Bordnetz trennen (Hauptschalter aus oder Kabel abklemmen). Standby-Verbraucher entladen die Batterie sonst innerhalb von Wochen.
- Regelmäßig nachladen: Alle 4-6 Wochen mit einem Erhaltungsladegerät nachladen. Oder gleich ein Ladegerät mit Erhaltungsfunktion dauerhaft anschließen (Landstrom nötig).
- LiFePO4-Batterien: Auf ca. 50-60% Ladezustand lagern (nicht voll und nicht leer). Bei extremer Kälte (-20 Grad und darunter) besser ausbauen und im Haus lagern.
Starterbatterie:
- Ebenfalls voll laden
- Wenn kein Landstrom verfügbar: Motor alle 4-6 Wochen für 20-30 Minuten laufen lassen
- Oder ein Erhaltungsladegerät anschließen
Vorteile der Optionen
- Dauerladegerät: Kein manuelles Nachladen nötig
- Dauerladegerät: Batterie immer im optimalen Zustand
- Dauerladegerät: Moderne Geräte mit Erhaltungsmodus sicher
- Ausbauen und drinnen lagern: Kein Frostrisiko
- Ausbauen und drinnen lagern: Kein Landstrom am Stellplatz nötig
Nachteile der Optionen
- Dauerladegerät: Braucht Landstrom am Winterstellplatz
- Dauerladegerät: Stromkosten über den Winter
- Ausbauen: Aufwand beim Aus- und Einbau
- Ausbauen: Schwere Batterien (Blei: 25-30 kg)
- Ausbauen: Elektronische Geräte verlieren ggf. Einstellungen
Schritt 5: Dichtungen und Aufbau pflegen
Der Winter mit Frost, Schnee und UV-Strahlung belastet Dichtungen und den Aufbau. Gute Pflege vor der Winterpause schützt:
- Gummidichtungen pflegen: Fenster- und Türdichtungen mit Gummipfleger oder Talkum behandeln. Verhindert Festfrieren und hält das Gummi elastisch.
- Dachrand kontrollieren: Dichtmasse auf Risse oder Ablösungen prüfen. Beschädigte Stellen mit Sikaflex oder Dekalin ausbessern.
- Dachdurchführungen prüfen: Alle Durchbrüche (Antenne, Lüfter, Klimaanlage) auf Dichtheit kontrollieren.
- Dichtigkeitsprüfung: Der ideale Zeitpunkt für die jährliche Dichtigkeitsprüfung ist vor dem Einwintern.
Schritt 6: Innenraum vorbereiten
Stehende Luft, Restfeuchtigkeit und geschlossene Schränke sind der perfekte Nährboden für Schimmel. So beugst du vor:
- Matratzen aufstellen: Matratzen und Polster hochkant stellen oder auf Abstandshalter legen, damit Luft zirkulieren kann.
- Schranktüren öffnen: Alle Schränke und Klappen einen Spalt offen lassen.
- Entfeuchterbeutel auslegen: 2-3 Luftentfeuchter-Beutel (Silicagel oder Calciumchlorid) im Fahrzeug verteilen. Alle 4-6 Wochen kontrollieren und ggf. erneuern.
- Gardinen und Vorhänge öffnen: Für Luftzirkulation sorgen.
- Keine Lebensmittel lassen: Alles Essbare entfernen – auch Dosen und Konserven (Frost kann sie zum Platzen bringen).
- Mäuseschutz: Alle Öffnungen kontrollieren (Abgaskamin, Heizungsansaugung, Kabeleinführungen). Mäusegitter oder Stahlwolle in offene Rohre stecken.
Schritt 7: Fahrwerk und Reifen
- Reifendruck erhöhen: 0,3-0,5 bar über den Normaldruck aufpumpen. Kompensiert den natürlichen Druckverlust über den Winter.
- Aufbocken oder bewegen: Im Idealfall das Fahrzeug aufbocken, um Standplatten an den Reifen zu vermeiden. Wenn das nicht möglich ist: alle 4-6 Wochen das Fahrzeug ein paar Meter bewegen.
- Handbremse lösen: Über den Winter die Handbremse nicht anziehen! Die Bremsbeläge können an den Scheiben festrosten. Stattdessen Unterlegkeile verwenden.
- Auf ebener Fläche parken: Möglichst waagerecht abstellen. Auf abschüssigem Untergrund Gang einlegen und Keile unterlegen.
Stellplatz-Wahl und Abdeckung
Der ideale Winter-Stellplatz:
- Überdacht (Halle/Carport): Bester Schutz vor Witterung. Kosten: 50-150 Euro/Monat.
- Befestigter Untergrund: Kein Gras oder Erde (Feuchtigkeit von unten). Asphalt oder Beton ist ideal.
- Nicht unter Bäumen: Laub, Baumharz und Äste können Schäden verursachen.
- Belüftet: Nicht in einer komplett geschlossenen Garage ohne Belüftung (Kondenswasser-Gefahr).
Vorteile der Überwinterungsoptionen
- Ganzgarage/Schutzhülle: Schutz vor UV, Vogelkot und Baumharz
- Ganzgarage: Sauberes Fahrzeug im Frühling
- Ganzgarage: Günstige Alternative zur Halle (100-500 Euro)
- Halle/Carport: Bester Rundum-Schutz
- Halle/Carport: Kein Schnee und Eis auf dem Dach
Nachteile der Überwinterungsoptionen
- Ganzgarage: Billige Planen stauen Feuchtigkeit
- Ganzgarage: Muss atmungsaktiv sein (ab ca. 200 Euro)
- Ganzgarage: Befestigung bei Wind problematisch
- Halle: Kosten von 50-150 Euro pro Monat
- Halle: Plätze oft knapp und früh ausgebucht
Checkliste: Wohnmobil winterfest machen
Hier nochmal alle Punkte im Überblick zum Abhaken:
Wassersystem:
- Frischwassertank entleert
- Warmwasserboiler entleert
- Alle Hähne geöffnet
- Wasserpumpe entleert
- Druckluft durch Leitungen (optional)
- Grauwassertank entleert
- Toilettenkassette entleert und gereinigt
- Alle Ablassventile offen
Gas und Heizung:
- Gasflaschenventile geschlossen
- Druckregler abgeschraubt (optional)
- Heizung einmal kurz gelaufen
Elektrik:
- Aufbaubatterie voll geladen
- Batterie abgeklemmt oder Erhaltungsladegerät angeschlossen
- Starterbatterie voll geladen
- Alle Verbraucher ausgeschaltet
Außen:
- Fahrzeug gewaschen
- Dach gereinigt
- Dichtungen gepflegt
- Dichtigkeitsprüfung durchgeführt
- Reifendruck erhöht
- Handbremse gelöst, Keile untergelegt
Innen:
- Kühlschrank gereinigt und offen
- Matratzen aufgestellt
- Schranktüren offen
- Entfeuchterbeutel ausgelegt
- Lebensmittel entfernt
- Mäuseschutz angebracht